Schlammlawine in Scharfenberg

Schlammlawine in Scharfenberg, Foto: Leo Lippold Besorgt  über den gegenwärtigen Zustand unserer intensiv genutzten Agrarlandschaften wandte sich im Frühjahr 2017 der „Kulturkreis Schloss Scharfenberg“ in eindringlichen Worten mit einem offenen Brief an den sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister. Darin stellt er die Frage: „Die Kulturlandschaft als Spiegel der Gesellschaft, der Gesellschaftsordnung?“ und führt u.a. aus:

„Der öffentliche Raum, unsere Heimat, die Lebensumgebung vieler hunderttausend Menschen, war vormals eine reich gegliederte Landschaft, mit Äckern, Feldrainen, Wirtschaftswegen, Bäumen, Sträuchern und Wäldern. Eine funktionierende Kulturlandschaft, die über viele Jahrhunderte gesunde, ökonomische Basis für Landwirte und für die Bewohner im ländlichen Raum, eine attraktive Heimat und damit identitätsstiftend war … Die Landschaft, … der öffentliche Raum, Heimat für hunderttausende Bewohner, ist zur tadellos optimierten Agrarwüste mutiert… Geackert wird heute bis zum Bankett. Wenn bei Regen der Ackerboden die Straßen überschwemmt, reinigt die Gemeinde, zahlt der Bürger.“

Da der Kulturkreis  körperschaftliches Mitglied im Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V. ist, druckte der Verein  den Brief in gekürzter Form und einem Vorwort unter dem Titel „Quo vadis, Agrarlandschaft?“ im Mitteilungsheft 1/2017 ab.

Eine Reaktion aus dem sächsischen Umweltministerium an den Landesverein blieb aus, nur anläßlich des Kolloqiums“ 500 Jahre Lommatzscher Pflege“ am  8.  Juni 2017 konnte man die Meinun g des Minsteriums kennenlernen, wonach die Landwirtschaft gerade auch in dieser Region ordnungsgemäß sei und alle Gesetze eingehalten würden.

Schlammlawine in Scharfenberg, Foto: Leo Lippold Doch die Natur  belehrte uns – wieder einmal –  rasch eines besseren. Ausgerechnet unterhalb von Scharfenberg kam es am 22. Juli 2017 an der Bundesstraße B 6 zwischen Dresden und Meißen zur Überflutung mit von den Feldern abgespülten Erdmassen. Die Sächsische Zeitung berichtete(  24. / 25.7.2017) darüber: „Am Sonnabend musste die Bundesstraße bis in die Abendstunden gesperrt werden, nachdem gegen 15.15 Uhr Starkregen eine Schlammlawine ausgelöst hatte … Noch am Montagmittag ist ein Bagger dabei, den zähen Schlamm aus dem Straßengraben zu holen … Die Schlammfluten … kämen von vegetationsfreien Äckern, welche die Haltekraft nicht besaßen. So war es schon bei der Flut im Triebischtal und auch an der B 6 ist das wieder der Grund, wie der Klipphausener Bürgermeister … bestätigt.“

Als Verursacher steht somit eine  nicht an die Naturbedingungen angepasste Landwirtschaft  fest. Der „zähe Schlamm“ ist nichts anderes als wertvoller, in Jahrtausenden gewachsener, nun unwiederbringlich verlorener Ackerboden, die Lebensgrundlage unserer und nachfolgender Generationen.

Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz als eine gesetzlich anerkannte Naturschutzvereinigung tritt  entsprechend seiner Satzung dafür ein, „die natürliche und geschichtlich gewordene Eigenart der sächsischen Heimat zu bewahren, ihre Natur zu schützen, ihre Landschaft verantwortungsvoll zu gestalten und ihre kulturellen Werte zu erforschen, zu pflegen und zu erschließen.“ Dazu zählen auch vielgestaltige, artenreiche, regional differenzierte, ästhetisch ansprechende, nachhaltig nutzbare Agrarlandschaften. Wir halten es für dringend geboten, dass sich der Freistaat Sachsen beim Bund und der EU mit Nachdruck für eine Reform der Agrarpolitik einsetzt, eine solche, die Nutzung und Schutz von Natur und Landschaft besser in Einklang bringt.

 

Olaf Bastian für den Vorstand des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V.

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