Kolloquium Heidefriedhof in Dresden

Das Kolloquium hinterfragt am Beispiel des Dresdner Heidefriedhofs das Potenzial historischer Friedhofsanlagen als Gegenstand und Ort historisch-politischer Bildung. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen dabei Denkmalsetzungen auf Friedhöfen, die politisch motiviert errichtet wurden oder im Laufe ihrer Rezeption politische Instrumentalisierungen erfahren haben. Im Falle des Dresdner Heidefriedhofs sind dies vor allem monumentale Grab-und Memorialanlagen, die als symbolhafte Orte der Erinnerung eine herausragende lokale und überregionale Bedeutungerhielten, gleichzeitig aber auch zum Gegenstand gesellschaftlicher Konflikte wurden.
 
Die Veranstaltung richtet sich an Akteure aus Wissenschaft, Denkmalpflege, Bildung, Kultur und Friedhofswesen. Sie bietet sowohl wissenschaftliche Impulse und Reflexionen als auch Gelegenheit zu praxisbezogenem Gedankenaustausch und Vor-Ort-Erkundung.
 
Die komplexe Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des Dresdner Heidefriedhofs umfasst einen Zeitraum von nahezu einem Jahrhundert, die der Memorialanlagen von mehr als sieben Jahrzehnten. Während die Friedhofsanlage insgesamt als spätes Ergebnis kultureller Reformbewegungen am Beginn des 20. Jahrhunderts von herausragender kulturgeschichtlicher Bedeutung ist, illustrieren die Memorialanlagen beispielhaft die geschichtspolitischen Fundamente der DDR-Gesellschaft sowie die Diskurse und Konflikte um das Geschichtsbild des wiedervereinigten Deutschlands seit 1990.
 
In den Memorialanlagen des Heidefriedhofs ist im Laufe ihrer komplexen Geschichte Vergangenheit mit sehr unterschiedlichen Absichten zugewiesen und abgerufen worden. Unterschiedliche Akteure haben über Jahrzehnte hinweg Erzählungen, Deutungen und Apelle in die räumliche Struktur, in die natürliche, bauliche und zeichenhafte Gestalt des Ortes ein- geschrieben. In beispielhafter Kontinuität wurden diese Vergangenheitskonstruktionen in der sozialen und mentalen Praxis unterschiedlicher Erinnerungsgemeinschaften aufgerufen und dabei immer wieder auch überschrieben. Die Spuren und Traditionen dieser Institutionalisierungen und Funktionalisierungen kollektiver Gedächtnisse sind für informierte Besucher nach wie vor ablesbar.
 
Darin liegt das Potenzial des Heidefriedhofs als Lernort: Im authentischen geschichtlichen Raum, in der spezifischen Aura der Grab- und Gedenkanlagen können Interessierte erkunden, erleben und verstehen, wie die latenten Erzählungen über Vergangenes im jeweiligen Zeitbezug politisch funktionalisiert wurden und werden. Gleichzeitig laden die Memorialanlagen in ihrer Funktion als Bühnenraum dazu ein, zu erkunden mit welchen Mitteln geschichtlicher Sinn performativ erzeugt wird.
 
Dabei geht es nicht allein um die Auseinandersetzung mit vergangenen Entwicklungen. Auch in der Gegenwart wird Vergangenheit alltäglich zur Legitimation politischer Absichten benutzt. Insofern könnten Lernangebote zum Heidefriedhof die politische Urteils- und Handlungsfähigkeit als Voraussetzung für demokratische Meinungsbildung und Teilhabe stärken.
 
Leitung
Justus H. Ulbricht, Matthias Neutzner und Holger Hase
 
Programm
 
 
13 Uhr 
Begrüßung
Bürgermeisterin Eva Jähnigen, Beigeordnete für Umwelt und
Kommunalwirtschaft der Landeshauptstadt Dresden
 
Einführung
Matthias Neutzner
 
13  bis 15 Uhr              
Session 1
Historisch-politische Bildung »vor Ort«: Erinnerungsorte als Bildungsressource Impulse und Werkstattgespräch
Gastgeber: Justus H. Ulbricht
 
15 bis 15:30 Uhr          
Kaffeepause
 
15:30 bis 17:30 Uhr    
Session 2
Nutzen, respektieren, erhalten und entwickeln: Erinnerungsorte als Erbe und Instrument Impulse und Werkstattgespräch
Gastgeber: Matthias Neutzner
 
17:30 Uhr   Bilanz des Kolloquiums
 
gegen 18 Uhr  Ende des Kolloquiums
 
19:30 Uhr  Öffentlicher  Abendvortrag
Dr. Insa Eschebach, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück in der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
„Conflict Memories. Erinnerungskulturen im Widerstreit seit 1945“
 
Veranstaltungsort
Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden
 
Anmeldung
Bedingt durch  die begrenzte Platzkapazität bitten wir um Ihre Anmeldung.
Nutzen  Sie dafür die E-Mail-Adresse garnisonfriedhof.dresden@googlemail.com
 

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