26. Parkseminar des Landesvereins auf dem Kulturdenkmal „Gottesacker Herrnhut“

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Dies ist eine Kurzfassung des ausführlichen Berichts in den Mitteilungen Nr.: 3/2016
Das Heft wird voaussichtlich kurz Weihnachten erscheinen.
 
Arbeiten rund um den Altan und Freistellung von Fernsichten, hier zum Zittauer Gebirge. (Foto Cl. Wecke)Das 26. Parkseminar des LSH e.V. fand auf dem Kulturdenkmal „Gottesacker Herrnhut“ vom 28.-30.10.2016 mit 110 Personen (aus 12 Bundesländern und einer Frau aus Schweden) statt.
Hervorragende Grundlage für dieses Parkseminar war die Denkmalpflegerische Rahmenzielstellung (Parkpflegewerk) von Kathrin Franz.
Die Bezeichnung Gottesacker erinnert daran, dass jeder Tote ein Samenkorn im Acker Gottes ist und auf seine Auferstehung wartet. Die Grabanlage war auf einem leicht geneigten Hang des Hutberges angelegt worden. Seit 1730 wurden die Verstorbenen dort innerhalb von Quartieren beerdigt, die von Winter-Linden-Alleen gerahmt werden, welche im barocken Stil gepflanzt und kastenförmig geschnittenen wurden. Die Verstorbenen wurden in der Reihenfolge ihres Heimganges, getrennt nach Geschlechtern beerdigt. Die Gräber werden nicht aufgelöst, sondern im Laufe der Jahre werden immer neue Gräberfelder angelegt, immer im gleichen Stil. Die bescheidenen Grabsteine sind in Reihen liegend, flach und wie „eingesät“ in den Boden eingelassen.
 
Neun Arbeitsgruppen hatten voll zu tun.
 
Ausformung der Heckennischen-Neupflanzung; rechts ist die Sicht zum Altan freigestellt. (Foto Cl. Wecke)Volker Ebert und Ullrich Forkel haben den historischen Kastenschnitt als Muster an einem Linden-Alleen-Abschnitt ausgeführt, im Gegensatz zu dem kopfweidenartigen Schnitt der Vergangenheit. Die Standorte der Linden in den überkommenen Alleen wurden unter Leitung von Hartwig Seiche neu eingemessen und 30 Winter-Linden nachgepflanzt.
Eine gestalterische Besonderheit an den umgebenden Hecken wurde unter Leitung von Birgit Pätzig beispielhaft wieder hergestellt: Die 1,30 m hohen Hainbuchen-Hecke war an Wegeeinmündungen oder -ecken nach außen nischenförmig erweitert und 5 Meter hoch korbartig geschnitten. Durch Rodungen, Neupflanzungen und Schnitt wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass in den kommenden Jahren diese Heckennischen-Gestaltung wieder in ihrer Ursprünglichkeit zu sehen sein wird.
 
Säuberung der Grabplatten (Foto R. Schröder)Unter Leitung von Lutz Huback wurde beiderseits des Hauptweges die Grabanlage nach Angaben der Denkmalspflege beispielhaft wieder hergestellt. Kathrin Franz hat nachgewiesen, dass die einzelnen Grabstellen zumindest bei den Erstanlagen mit getöntem Sand umgeben waren.
 
Alte Wegeentwässerungssysteme wurden unter Leitung von Petra Friedrich wieder funktionstüchtig gemacht, um der problematischen Wegeerhaltung zu begegnen. Eine mögliche Bekämpfungsmethode der mehr oder weniger starken Verkrautung mit einem Heißwassergerät wurde vorgeführt.
 
Das Kulturdenkmal Gottesacker Herrnhut hat gegenüber ähnlichen Anlagen in anderen Niederlassungen der Herrnhuter die Besonderheit, dass sie sich an einen Basaltberg, den Hutberg als Aussichtsberg, anlehnt und dieser mit dem Friedhof eine gestalterische Einheit bildet. Dem aufgeschossenen Niederwald an den Berghängen, der die einmalige Sicht versperrte, wurde unter Leitung des Försters Matthias Clemens und Claudius Wecke mit fünf Motorsägen zu Leibe gerückt.
Unter Leitung von Solweig Windisch-Kummer wurde die begrenzende Weißdornhecke am Aufstieg zum Hutberg freigestellt.
Mit Hilfe des Kopfladers von Daniel Neuer wurde am liederlichen Kompostplatz eine neue Ordnung geschaffen. Hier und bei der Beräumung des Steinbruchs schufen die Arbeitsgruppen von Sebastian Scholze, Ludmilla Panse und Lutz Flöter durch z. T. schwere Erdarbeiten einen tollen Blickfang, die Basaltsäulenwand kommt jetzt richtig zur Geltung. hier wird auch künftig die seltene Samt-Rose blühen
 
Die Vorträge von Kathrin Franz, Andreas Golde, Lutz Reiter, Volker Ebert, Rudolf Schröder, die im Kirchensaal stattfanden, widmeten sich dem Ort und seiner Umgebung mit deren Geschichte und Vegetation (Wildflora und Stadtgrün, Baumschnitt und besonderen Bäumen).
 
Bei einem Rundgang am Sonntag führten uns Nora Kindermann und Lutz Reiter durch Herrschafts- und Schwesternhausgarten und Vogtsgarten und zu 10 denkmalgeschützten Gartenhäusern, einer weiteren Besonderheit Herrnhuts.
 
„Es war wieder toll“, so zumindest die vielen Stimmen, die mich erreichten. Gleichzeitig immer die Nachfrage, wo und wann ist das nächste große Parkseminar in Sachsen? Ich weiß es nicht, kann aber schon auf mehrere andere regionale Parkseminare verweisen, die 2017 stattfinden werden, in Kromlau, Rötha, Uhyst und Wolkenburg; weitere sind in Überlegung, so auch in Herrnhut.
 

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